Ortszeit » Blog Archive » Rumänien will den Euro

Rumänien will den Euro

Dienstag, 19. 12. 2006 von Cafe Europe

Rumänien wird in der Lage sein, die Milliardenhilfen der EU sinnvoll zu verwenden. Bis 2014 will das neue EU-Mitglied den Euro übernehmen. Das sagt Zentralbankchef Isarescu.More...
Frage: Kommt der EU-Beitritt Rumäniens zu früh?
 
Mugur Isarescu: Das ist eine schwere Frage. In vieler Hinsicht haben wir nicht genug Zeit gehabt, uns vorzubereiten. Andererseits hätte eine Verschiebung des Beitritts den Transformationsprozess verlangsamt. Deshalb denke ich, dass 2007 das ideale Jahr für den Beitritt ist. Das Endergebnis wird klar positiv sein und Rumänien nützen.
 
Frage: Rumänien wird bis 2013 insgesamt 32 Milliarden Euro an EU-Hilfen erhalten. Wer kann garantieren, dass das Geld vollständig für die beabsichtigten Zwecke eingesetzt wird?
 
Isarescu: Niemand kann das garantieren. Wir können nur garantieren, dass wir klug und organisiert genug sind, uns nicht dieser Chance zu berauben. Wir haben eine Demokratie und eine Marktwirtschaft. Und eine funktionierende Marktwirtschaft bietet genug Anreize, diese Mittel korrekt zu absorbieren.
 
Frage: Die grösseren neuen EU-Mitglieder, Polen, Tschechien und Ungarn, werden der Eurozone in den nächsten Jahren nicht beitreten. Wie attraktiv ist der Euro für Rumänien?
 
Isarescu: Die Übernahme des Euro bringt eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehört der Wegfall des Währungsrisikos und die Verwendung einer einzigen Währung in der ganzen Eurozone. Die entscheidende Frage ist nicht, wie attraktiv der Euro derzeit ist, sondern wie es aussieht, wenn wir beitreten wollen. Denn der vorzeitige Beitritt kann mehr Probleme schaffen als lösen. Wir haben gesagt, dass ein Beitritt 2014 sowohl ehrgeizig als auch realistisch ist, also in sieben Jahren. Ich nehme an, dass die Ziele in den drei Ländern, die Sie genannt haben, weniger ehrgeizig und weniger realistisch waren. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die Tatsache, dass wir später beitreten, erlaubt uns, aus den Erfahrungen der Beitrittsländer von 2004 zu lernen. Wir haben uns gesagt, dass es gut ist sich zu beeilen – aber mit Weile.
 
Frage: Sind sieben Jahre genug, sich auf den Euro vorzubereiten?
 
Isarescu: Es ist ein schwieriger Weg. Schwierig nicht so sehr, weil wir eine Menge erreichen müssen in dieser Zeit. Schwierig ist es vor allem, weil wir Kontinuität und Ausdauer brauchen und grössere Fehler vermeiden müssen. Rumänien wurde vorgeworfen, nicht genug politischen Willen und Stabilität zu haben. Ich denke, der Vorwurf ist nicht gerechtfertigt. Die vergangenen sieben Jahre seit dem Beginn des Beitrittsprozesses haben gezeigt, dass das Land genug Ausdauer und Kontinuität aufweist. Wir habe grössere Probleme vermieden trotz der Herausforderungen der Globalisierung und der gestiegenen Mobilität des Kapitals. Ich bin daher optimistisch.
 
Frage: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Inflation nach dem EU-Beitritt ein?
 
Isarescu: Wir erwarten, dass die Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren von 5 auf 3,5 Prozent sinkt. Danach wird sie wohl auf 2 Prozent zurückgehen. Aber wir brauchen dafür Zeit. Es ist wohl schwieriger, die Inflation von 5 auf 2 Prozent zu senken als zuvor von 60 Prozent auf 5 Prozent. Der Prozess der Integration in die EU selbst enthält preistreibende Elemente.
 
Frage: Wann werden die rumänischen Löhne auf EU-Niveau steigen?
 
Isarescu: Das wird so lange dauern, bis die Arbeitsproduktivität EU-Niveau erreicht. In einigen Bereichen, vor allem im Bankensektor und bei den Finanzdienstleistungen, haben die Löhne bereits europäisches Niveau erreicht. Das europäische Niveau wird aber nicht auf einen Schlag erreicht. Vor allem müssen wir die soziale Polarisierung verringern.
 
Kasten
 
Geachteter Zentralbankchef
 
Mugur Isarescu ist mit kurzer Unterbrechung seit September 1990 Chef der rumänischen Zentralbank. Zwischen Dezember 1999 und Dezember 2000 war er Ministerpräsident. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der EU. Auch nach seiner Rückkehr in die Zentralbank gilt er vor allem wegen seines Einflusses auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik als heimlicher Ministerpräsident. Isarescu ist einer der wenigen Politiker des Landes, die nie in Skandale verwickelt gewesen sind.         dm.


Print This Post/Page Beitrag versenden

3 Kommentare zu “Rumänien will den Euro”

  1. Online-Kredite » Blog Archive » Auswirkungen der Finanzkrise auf die Konjunktur Europas schreibt:

    […] So wurde in besagter Prognose die Inflationserwartung von bislang 2,1 Prozent auf nunmehr 2,6 Prozent angehoben, wobei laut dem Blog von deutschland-debatte.de die reale Teuerungsrate für einzelne Haushalte noch wesentlich höher liegt. Damit liegt sie zum einen deutlich oberhalb des mittelfristigen Durchschnitts (siehe http://www.online-kredite.com/statistiken/verbraucherpreisindex-deutschland.html) und auch oberhalb des von der EZB vorgegebenen Stabilitätskorridors, der eine maximale jährliche Inflation von 2 Prozent vorsieht. Aber nicht nur in Deutschland galoppiert die Inflation, auch in Österreich haben die Bürger immer öfter „…das Gefühl, für mehr Geld weniger Ware zu bekommen…“, wie es im Blog von 3www.at beschrieben wird. Selbst in Rumänien, welches erst 2007 der EU beigetreten ist, war 2006 eine Inflation von fünf Prozent zu verzeichnen (siehe Bericht „Rumänien will den Euro“ im Blog von ortszeit.org), welche allerdings auch mit einem entsprechenden Wirtschaftswachstum einherging. […]

  2. Harm Wulff schreibt:

    Wie im Nachbarland Bulgarien sind das Leistungsbilanzdefizit sowie die Preissteigerungsrate in Rumänien ein Hinderniss für die Einführung des Euro. Die Infaflation lag im Jahr 2006 mit 8 Prozent deutlich unter den Kriterien von Maastrich was die Einführung des Euros betrifft. Deshalb halte ich den Beitritt erst im Jahre 2012 für realistisch.

  3. EU Führerschein schreibt:

    kein anderes Land kann derzeitig ein größeres Wirtschaftswachstum in der EU verzeichnen als Rumänien. Ich halte auch das Jahr 2012 für absolut realistisch den Euro in Rumänien einzuführen. In den letzten Jahren erwies sich die rumänische Wahrung (Lei) als sehr stabil.

Kommentar hinzufügen