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Europas Riese hat Appetit

Donnerstag, 9. 11. 2006 von Georg Ackermann

Die nach Marktkapitalisierung grösste Bank der Eurozone will wachsen. Der Banco Santander hat dafür eine prall gefüllte Kasse. Übernahmen kommen ebenso in Frage wie organisches Wachstum.

Wer demnächst bei Banco Santander ein Konto eröffnet oder einen Kredit verlangt, könnte möglicherweise umsonst ein Käppi des McLaren-Formel 1-Teams hinzubekommen. Denn die Spanier sind künftig Co-Sponsor des britischen Rennstall und geben dafür jährlich 15 Millionen Euro aus.

 

Einheitlicher Markenname ab 2007

 

Dahinter steckt ein wohlüberlegter Plan. Ab dem kommenden Jahr will die Bank unter dem einheitlichen Namen ‘Santander’ auftreten. Durch die Formel 1 lassen sich nach eigenen Angaben geschätzte zwei Milliarden Menschen ansprechen, vor allem in den wichtigsten Märkten Großbritannien, Deutschland, Spanien, Italien und Brasilien.

Ebenso rasant wie sich die Marke Santander bald über die Rennpisten der Welt bewegen, wird verlief auch der Aufstieg der Bank: Ende der neunziger Jahre expandierte sie in Lateinamerika. Seit der Fusion mit dem Banco Central Hispano 1999 ist sie die führende Bank auf der iberischen Halbinsel. Schließlich gelang ihr 2004 der Sprung auf die britische Insel mit dem Kauf von Abbey National. Vor kurzem gelang die Aufnahme in den erlesenen Club der fünfzig weltweit größten Unternehmen mit einem Börsenwert von über 100 Milliarden. Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 87 Milliarden Euro (137 Milliarden Franken) ist sie die Nummer eins in der Eurozone, weit vor der Deutschen Bank mit 51 Milliarden Euro. In Europa sind nur noch wenige Banken wie die britische HSBC mit 176 Milliarden Euro und die Zürcher UBS mit 100 Milliarden Euro größer als die Grossbank aus dem nordspanischen Santander.

 

Mehr Filialen in Deutschland geplant

 

Auch die zuletzt vorgelegten Zahlen beeindrucken. In den ersten neun Monaten häufte die Bank einen Gewinn von 4,9 Milliarden Euro an, 27,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Gesamtjahresziel von 6,5 Milliarden ist kaum noch zu verfehlen. Europa macht dabei 65 Prozent des Ergebnisses aus. Gelohnt hat sich hier vor allem die Investition in Abbey. Denn die Briten steuerten in diesem Jahr bereits 743 Millionen zum Gewinn bei.

Santander baut vor allem auf das Privatkundengeschäft, insbesondere Hypothekendarlehen und Konsumentenkredite. In Deutschland hat die Bank sich auf letzteres spezialisiert. So erklärte zuletzt Europa-Chef José Manuel Varela, daß man dort weiter wachsen will. Die Zahl der Filialen will die Santander Consumer Bank bis 2008 auf 155 ausweiten und damit mehr als verdoppeln. Bereits heute ist sie auf diesem Gebiet Marktführer in Deutschland.

 

Spekulationen über Zukäufe

 

Heftig spekuliert wird gegenwärtig über einen größere Übernahme auf internationaler Ebene. Der Grund: Das gut laufende Geschäft und mehrere Anteilsverkäufe ließen die Kasse auf 8,6 Milliarden anschwellen. „Akquisitionen haben derzeit nicht die Priorität“, sagt dazu Präsident Emilio Botín. „Wir verfügen über eine ausreichende Größe und konzentrieren uns nun auf organisches Wachstum.“

Seit Wochen werden mehrere potenzielle Übernahmeopfer in der Presse herumgereicht. Erst letzte Woche berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“ von einem möglichen Interesse an Capitalia SpA. In Italien besitzt Santander bereits eine 8,4%-Beteiligung an Sanpaolo, das gerade eine Fusion mit Intesa plant. „Wir lassen uns alle Alternativen offen“, heißt es dazu aus Vorstandskreisen.

In Deutschland stieg man im vergangenen Sommer an der Seite des Investors Christopher Flowers bei der HSH Nordbank ein, was die Experten über die strategischen Hintergründe rätseln ließ. Und nicht zuletzt wird auch immer wieder über eine innerspanische Fusion mit der BBVA aus Bilbao spekuliert. Das wird dann aber auch immer wieder von Santander dementiert.

 

In 20 Jahren 800fach gewachsen

 

Als wahrscheinlichste Lösung gilt immer noch die Übernahme der restlichen Anteile der amerikanischen Bank Sovereign, an der die Spanier bereits 25% besitzen. Präsident Emilio Botín bekräftigte auch gerade erst die Bank habe großes Interesse, in China aktiv zu werden. Der 72-jährige Botín führt das Institut seit mittlerweile zwanzig Jahren. Die Bilanzsumme ist nun fast 800 mal so groß als 1986. Aus der Regionalbank, die ihm sein Vater überreichte, ist ein Global Player geworden. Am naheliegendsten erscheint, daß er den Führungsstab einmal an seine Tochter Ana Patricia Botín weitergeben wird. Im Konzern leitet sie bereits die Bank Banesto. Auch die Zeitschrift „Forbes“ führt die 42-jährige bereits auf ihrer Liste der weltweit einflußreichsten Frauen. Als einzige Spanierin.

Georg Ackermann/Barcelona


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